Historia ARTbackenium

WS 18/19: Gäste

Alt-Kreumel, ein Dorf in der Provinz, durch Rezession verödet, selbst für den heimischen Öko-Apfel findet sich kein Abnehmer. Den einzigen Ausweg aus dem anhaltenden Niedergang scheint das neu eröffnete Hotel zu bieten. Doch als endlich der erste Gast auftaucht, bleibt dieser von der allgemeinen moralischen Degeneration nicht unberührt. Tiefsitzende Wunden reißen auf und es offenbart sich, wie weit manche im Dorf zu gehen bereit sind.

Mit Oliver Bukowskis Gäste zeigen wir eine schonungslose Skizze menschlicher Verrohung, die keine Grenzen scheut. Charaktere, die so überzeichnet sind, dass sie real sein könnten, kollidieren ungebremst in Szenen, die so komisch sind, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Hier wird nichts ausgespart und alles gezeigt, nur keine Perspektive.

SoSe 18: Das Paradies der Ungeliebten

Ein Land, nennen wir es einmal „Dänemark“: Während die ermüdete Regierung von Rechtspopulisten abgelöst zu werden droht, steht das Wasser der Politzeitschrift „Agora“ bereits bis zum Hals.

Ein Redakteur sieht die ganze Welt staatspolitischen Schiffbruch erleiden und schmiedet Pläne, die ihn zuletzt selbst zu tiefen moralischen Abgründen führen. Er stellt sich die Frage: Wenn die Politik selbst zur Farce geraten ist, wie wäre dann ein politischer Mord einzuordnen? Wäre dieser zum Wohle der Allgemeinheit gerechtfertigt?

Mit Robert Menasses „Paradies der Ungeliebten“ machen wir das Kulturfenster zur politischen Bühne, auf der sich komische und todernste Szenen abwechseln – eine außergewöhnliche Gemengelage, die zum Nachdenken über den Wahnsinn unserer Zeit auffordert.

WS 17/18: Drei Mal Leben

Yasmina Rezas „Drei Mal Leben“ — das ist drei Mal die gleiche Situation mit drei Mal den gleichen Figuren, doch mit drei grundverschiedenen Ausgängen. Zwei Ehepaare treffen sich zu einem dienstlichen Abendessen, allerdings stehen die Gäste einen Abend zu früh auf der Matte. Ein leerer Kühlschrank, ein quengeliges Kind, vier entnervte Erwachsene und ein volles Weinregal — mit diesen Voraussetzungen entwickelt Reza eine alltägliche Katastrophe in drei ganz unterschiedlichen Verläufen.

Wer erfahren will, welche Auswirkungen ein Oreo nach dem Zähneputzen auf die Abflachung der Spiralgalaxien haben kann, ist im Kulturfenster gut aufgehoben.

SoSe 17: Die Welt, in der man sich langweilt

Im Schloss zu Saint-Germain versammelt die Gräfin von Céran eine kultivierte Runde aus aufgeblasenen Damen und Herren, um den Poeten und Philosophen baldiger Blüte zu lauschen. Aber in dieser Welt des gekünstelten Feinsinns denkt insgeheim doch jeder nur an seine verbotene Leidenschaft. Als plötzlich ein Brief ohne Absender auftaucht, setzt sich im Hintergrund der noblen Gesellschaft ein Katz- und Mausspiel in Gang, das nahezu alle Anwesenden betrifft und dessen Spur unweigerlich ins Gewächshaus führt…

Édouard Paillerons Komödie aus dem Jahre 1881 hat nichts von ihrer ursprünglichen Aktualität verloren. Während das Stück zu den meistgespielten Komödien in Frankreich gehört, ist es in Deutschland allerdings recht unbekannt — doch selbst die Notwendigkeit der Transkription der Frakturschrift hat die ARTbacken nicht davon abgehalten, Paillerons Meisterstück auf die Bühne des Kulturfensters zu bringen!

WS 16/17: Die Nashörner

Als in einer kleinen Provinzstadt plötzlich ein Nashorn auftaucht, sind die Bewohner des beschaulichen Örtchens schlagartig wie aus dem Häuschen. Prompt entschließen sich immer mehr Menschen dazu, Nashorn zu werden. Es scheint, als wolle nur der Protagonist Behringer am Menschsein festhalten…

Eugène Ionescos Musterstück des Absurden Theaters zeichnet eine rasante Parabel auf das Spiel um Konformismus und Individualität, in der die Grenzen des Normalen neu verhandelt werden und in der auch der scheinbare Held nicht aus dem Schatten seiner widersinnigen Umwelt hervortritt.

SoSe 16: Sechs Personen suchen einen Autor

„Sechs Personen suchen einen Autor“ (ital. Sei personaggi in cerca d’autore) entfachte bei seiner Uraufführung 1921 in Rom einen handfesten Theaterskandal, der dazu führte, dass der Autor den Saal fluchtartig verlassen musste, um den „Irrenhaus!“-Rufen des aufgebrachten Publikums zu entgehen. Der Dramatiker Luigi Pirandello, Literaturnobelpreisträger von 1934, ist bis heute aufgrund seiner Mitwirkung an der italienischen Faschismusbewegung unter Mussolini höchst umstritten. Gleichzeitig liebt sein dramatisches Werk die freien Formen in einer Art und Weise, die mit zahlreichen Normen bricht und ein bis dahin nie dagewesenes Konzept des Theaters vorschlägt. Pirandello setzt sich in seinen Bühnenstücken mit seiner Tätigkeit als Künstler und der Kunst selbst auseinander, weshalb seine Arbeit mitunter als Inbegriff des modernen Theaters gehandelt wird.

WS 15/16: Bunbury – oder: Ernst sein ist wichtig

Ernst muss man sein! Oder es zumindest vorgeben. Letzteres kann jedoch bisweilen in ernsthafte Verstrickungen führen, aus denen nur mit einem ausgeprägten Sinn für Schwindel und Taschenspielerei zu entkommen ist.

Oscar Wildes unvergleichliches Gespür für das oberflächliche Gehabe der viktorianischen Nobilität zeigt sich nicht nur im Verhalten der Charaktere, sondern auch in seiner eigens für dieses Stück kreierten Genrebezeichnung. Die „triviale Komödie für ernsthafte Leute“ präsentierte den vornehmen Damen und Herren im Publikum ein wohl temperiertes Abbild ihrer eigenen Alltagspossen, indem sie diese mit seichten Späßen in edler Verpackung parodierte, ohne jedoch die bestehende soziale Ordnung grundlegend in Frage zu stellen. Denn: „In existenziellen Fragen ist Eleganz, nicht Ehrlichkeit das Entscheidende.“

Wilde selbst betrachtete Bunbury als seine beste Komödie.

SoSe 15: Biedermann und die Brandstifter

Der wohlhabende Haarwasserproduzent Gottlieb Biedermann führt ein spießbürgerliches Leben, als plötzlich ein Unbekannter vor seiner Tür steht und um Obdach bittet. Obwohl alles darauf hindeutet, dass es sich bei dem Fremden um einen stadtbekannten Brandstifter handelt, nimmt Biedermann ihn bei sich auf…